von Bora von Hundeinstinkt
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16. Januar 2026
Immer mehr Menschen sprechen davon, mit dem Nervensystem ihres Hundes zu arbeiten. Auf den ersten Blick klingt das achtsam und modern. Doch wenn man genauer hinschaut, geht es oft gar nicht um echte Regulation, sondern darum, dass der Hund sich anpasst – ruhig, kontrolliert, „funktional“. Und genau das hat nichts mit Selbst‑ oder Co‑Regulation zu tun. Selbstregulation ist nicht Runterregulation. Aber genau das wird inzwischen in der Hundeszene oft verkauft: Immer nur entspannen, zur Ruhe kommen, beruhigen. Ein paar Übungen, etwas „Runterfahren“ – und angeblich ist das Leben gut. Ein bisschen selber ruhiger atmen und den Hund in den Schwitzkasten nehmen – alles ist fein. Kein Witz: Das habe ich letztens tatsächlich gesehen. Eine Hundetrainerin hat einen Aussie mit beiden Händen seitlich im Nacken gepackt. Als ich gefragt habe, was das bitte bewirken soll, hat sie mir netterweise zurückgeschrieben und erklärt, das sei eine Übung zur Co‑Regulation. Das wäre ganz toll bei hibbeligen Hunden. Ich war dann auch nett, habe mich für die Antwort bedankt und nichts mehr dazu geschrieben. Der Hund sah überhaupt nicht entspannt aus. Der Rücken war zusammengezogen, das ganze Gesicht angespannt und zusammengekniffen. Er wusste ganz genau, dass er aus dieser Situation nur noch mit einem sehr hohen Aggressionslevel rauskommt – das heißt: Er hätte beißen müssen, um sich zu befreien. Aber: Er ist nicht mehr nach vorne gegangen (meiner Ansicht nach hat er resigniert) beim Anblick anderer Hunde. Dann gab es eine schöne Musik zu dem Video – und alle sind glücklich. Alle außer der Hund. So funktioniert das nicht, Leute. Auch wenn es oft so klingt, als würdet ihr „am Nervensystem eures Hundes“ arbeiten – in Wahrheit geht es häufig darum, dass der Hund funktioniert. Aber echte Co‑Regulation setzt eine sichere Bindung voraus. Diese entsteht nicht durch Technik, sondern durch ehrliche Beziehung, durch Vorleben und innere Präsenz. Es geht nicht nur darum, wie ich mit meinem Hund umgehe, sondern auch darum, wie ich mit und in meiner Umwelt agiere.* Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema und hatte das große Glück – oder einfach die Zeit –, mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Nicht nur mit Wissen über das Nervensystem, sondern so, dass mein Körper es wirklich integriert hat. Das bedeutet, sich selbst zu spüren, wahrzunehmen, zu beobachten – und dadurch bewusster zu handeln statt unreflektiert zu reagieren. Die ganz kurz gefasste Erkenntnis daraus ist: Selbstregulation heißt: Ich kann schwingen. Der Sympathikus ist nicht nur eine Stressachse. Er ist auch die Achse für Freude, Lust, Neugier, Exploration, Lebendigkeit. Der Parasympathikus sagt nicht: „Hey, super, neuer Tag, was starten wir heute, Frauchen oder Herrchen!?“ – dafür brauchen wir den Sympathikus. Aus dieser Zeit hat sich für mich ein unantastbarer Wert entwickelt, und der heißt: Lebendigkeit möchte gelebt – und erHALTen werden. Das ist mir wirklich ein Herzensanliegen – ganz besonders im Zusammenleben mit unseren Hunden. Denn wir müssen uns immer wieder klarmachen: Unsere Hunde leben bei uns in Gefangenschaft. Aber ich kann diese „Gefangenschaft“ so gestalten, dass der Hund das kaum merkt – weil es ihm gut geht. Weil wir gemeinsam gut miteinander schwingen. Weil der Hund mit allem, was er mitbringt, gesehen wird und sich sicher fühlt. In einer funktionalen und ehrlichen Beziehung weiß jeder, wer der andere ist und welche Bedürfnisse er hat. Wenn das gelingt, bleibt die Beziehung auch unter Stress im Stresstoleranzfenster – ohne dass jemand körperliche oder psychische Schäden davonträgt. Und das heißt nicht, dass mein Hund und ich den ganzen Tag nur entspannt sind – ganz im Gegenteil: Wir sind lebendig, echt und verbunden. Oder wie ich immer zu Menschen sage: Du musst lernen, mit dieser Energie – der natürlichen Lebendigkeit und dem Temperament deines Hundes – zu tanzen. Herzlichst Bora von Hundeinstinkt 💛